Flachdach in Holzbauweise: Fachtipps zur erfolgreichen Konstruktion

Flachdach in Holzbauweise

Podcastfolge mit Bauphysiker Robert Borsch-Laaks

Bei Flachdächern in Holzbauweise ist vieles anders: Die beliebte, jedoch auch sehr anspruchsvolle Konstruktion funktioniert nur, wenn keine Feuchtigkeit eindringt. Dies ist jedoch herausfordernd. Daher gibt es unterschiedliche Fraktionen: Die einen wissen nicht, dass auf viele Details geachtet werden muss und machen es falsch. Die anderen sind davon überzeugt, dass Flachdächer in Holzbauweise nicht funktionieren können. Andere wiederum trauen sich nicht an das Projekt. Mit dieser Podcastfolge und dem Artikel in unserem Blog wollen wir euch zeigen: Dauerhaft funktionierende, langlebige Flachdächer in Holzbauweise sind möglich. Um dies zu unterstreichen, haben wir einen der führenden Bauphysiker im deutschsprachigen Raum zu unserem Podcast eingeladen: Robert Borsch-Laaks.

Die komplette Zusammenfassung mit Shownotes und Ergänzung durch Bilder und Grafiken findet ihr auf unserer Seite https://luftdichtheit-geprueft.de

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In dieser Podcastfolge 28 zu Flachdächer in Holzbauweise lernst Du:

  1. Die wichtigsten Fachtipps, wie du ein sicheres Flachdach in Holzbauweise planst und ausführst.
  2. Warum bei Flachdächern die Tackerklammern abgeklebt werden sollten.
  3. Woran du erkennst, dass das Flachdach nicht ideal geplant und ausgeführt ist.
  4. Was hygrothermische Berechnungen sind und wie sie dein Bauprojekt weiterbringen.
  5. Warum die 7 goldenen Regeln zum nachweisfreien Flachdach ergänzt werden müssen.

Durch jahrzehntelange Baustellenerlebnisse haben wir festgestellt: Menschen, die fast ausschließlich mit Holz bauen, kümmern sich tendenziell mehr um die Luftdichtheit der Gebäude. Menschen, die hauptsächlich massiv bauen, unterschätzen den Holzbauanteil von Häusern aus Beton oder Stein: Denn auch hier werden oft Flachdächer in Holzbauweise eingesetzt. Sei es als Dach oder als Dachterrasse.

Die Luftdichtheit ist der wesentliche Bestandteil einer erfolgreichen Holzbaukonstruktion. Entweichende Luft ist meist feucht und richtet Schaden in der Konstruktion an. Daher ist es wichtig, sich immer Gedanken darüber zu machen, welche Wege die Luft nimmt, wenn es undicht ist. In Massivbauten strömt die Luft über die Wände, Mauern, Steine, Steckdosen und landet dann im Holz-Flachdach.

Empfehlung bei anspruchsvollen Konstruktionen: Tackerklammern abkleben

Die Luftdichtheitsnorm sagt, dass Tackerklammern nicht abgeklebt werden müssen. Holger Merkel von bionic3 Luftdichtheit geprüft empfiehlt, bei Flachdächern in Holzbauweisen Tackerklammern in der luftdichten Ebene immer abzukleben. Auch kleine Perforationen erhöhen das Risiko, sagt Holger. Er kennt einige Baustellen, bei denen es an den Tackerklammern nachträglich zu Leckagen kam, weil der Druck am Kompressor beim Tackern falsch eingestellt war. Unser Podcast-Gast Robert Borsch-Laaks sieht die Gefahr eher in reißenden Klebeverbindungen.

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Klebeverbindungen und Folienanschlüsse, die nicht halten

Bauphysiker, Referent und Autor Robert Borsch-Laaks, der lange im Normenausschuss der DIN 4108-7 (Luftdichtheitsnorm) mitgearbeitet hat, erzählt, dass oft die Klebeverbindungen nicht halten. Grund seien beispielsweise Spannungen durch Faltenwurf der Folien. Dadurch würden manchmal Klebeverbindungen aufreißen. Er bemängelt, dass die mechanische Sicherung von Klebeverbindungen laut Luftdichtheitsnorm nicht verpflichtend sei. Er empfiehlt mechanische Sicherungen, z. B. durch Anschrauben bei Lattungen.

Bitte keine Querverlegung der Dampfbremsen und Luftdichtungsbahnen

Auch Querverlegung der Luftdichtheitsbahnen sei nicht sinnvoll – vor allem nicht bei anspruchsvollen Konstruktionen wie dem Flachdach. Bevor wir jedoch darüber schreiben, was alles schief gehen kann und wie kompliziert alles ist, hier eine Übersicht, wie einfach es theoretisch ist, erfolgreich ein Flachdach in Holzbauweise zu bauen.

Die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Holzbaukonstruktionen ohne Schäden – besonders bei Flachdächern:

  1. Das Projekt gut planen.
  2. Optimale Rücktrocknungsmöglichkeiten in der Konstruktion schaffen.
  3. Mit trockenem Holz und Schalung bauen.
  4. Darauf achten, dass das Holz trocken bleibt.
  5. Falls das Holz feucht wird, trocknen lassen, bevor die Konstruktion verschlossen wird.
  6. Luftdichtheit planen und fachgerecht ausführen.
  7. Rechtzeitig, also baubegleitend, die Luftdichtheitsschicht überprüfen, z. B. mit Blower-Door-Test.

Das Ziel im Holzbau: Der Wasserdampf muss durch die Bauteile, ohne Schäden anzurichten

Generell gilt: Alle Holzbauteile, ob bei Flachdach, Schrägdach oder bei Holzbauwänden, müssen vor Feuchtigkeit geschützt werden. Daher sollten Planerinnen und Planer überlegen: Wie kann der Wasserdampf durch das Bauteil, ohne Schäden anzurichten? Wenn ein Bauteil auf der Außenseite sehr dicht ist, ist es schwierig für die Konstruktion, die Feuchtigkeit natürlich via Diffusion auszuleiten.

Luftströmung ist gefährlicher als langsame Diffusion

Generell ist die Luftströmung, die Wasserdampf mitzieht, gefährlicher als Feuchtigkeit, die langsam diffundiert. Die diffusionsoffene Holzbauweise hat sich etabliert, um Feuchtigkeit aus der Konstruktion herauszuleiten.

Herausforderung beim Flachdach: außen ist meist diffusionsdicht

Flachdächer und Schrägdächer mit Bitumenpappe stehen vor der gleichen Herausforderung, sagt Robert Borsch-Laaks. Bei Nachkriegsbauten wurde das oft als wasserführende Ebene eingeführt: diffusionsdichte Unterdeckung auf der Schalung.

Die Regel war damals: Dampfbremse auf der Innenseite. Damit wurde viel Wasserdampf zurückgehalten. Rechnerisch funktionierte das, aber es stellte sich auch heraus, dass außerplanmäßiger Wassereintrag – z. B. durch Konvektion – nicht austrocknen konnte. Mehr dazu ab Minute 7 im Podcast.

Vorteil der Flachdächer: Wenn Sonne drauf scheint, gibt es oft Umkehrdiffusion, vor allem wenn das Bauteil schwarz ist.

Hygrothermische Simulation mit WUFI®

Robert Borsch-Laaks findet, dass die hygrothermische Simulation – die Wärme und Feuchteberchnung per Software – das sichere Bauen fördert. Im Podcast spricht er ab Minute 20 über das Programm WUFI® (Wärme Und Feuchte Instationär).

Bauschadensbeispiel: Durchgefaultes Flachdach

Holger erzählt ab Minute 23:48 wie er aufgefordert wurde, nicht auf eine bestimmte Stelle des Flachdachs zu treten, weil es durchgefault war. Die Ursache war die Durchdringung eines Sanitärrohrs, das überhaupt nicht abgeklebt war.

Mehr dazu ab Minute 23:30.

Trockenes Bauholz, dass auf einmal feucht ist

Feuchte durch Regen, Putz oder Estrich: Manchmal kommt es vor, dass ursprünglich auf der Baustelle getrocknet angeliefertes Bauholz feucht wird.

Lasst die Sonne rein: Achtung vor Beschattung, Gründächern, Terrassenbelägen und Kies bei Flachdächern

Wenn das Potenzial der Rücktrocknung vermindert ist, steigert das Risiko für Bauschäden bei Flachdächern in Holzbauweise. Es ist jedoch nicht unmöglich, dennoch ein fachgerechtes, schadensfreies Flachdach in Holzbauweise trotz Beschattung, Gründächern, Terrassenbelägen oder Kies zu bauen. Hier ist eine bauphysikalische Berechnung mit einer hygrothermischen Simulation am besten geeignet.

Das trockene Holz als Schlüssel

Wir bauen heutzutage mit trockenem Holz. Eine wichtige Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, sagt Robert, aber manchmal gebe es doch noch grünes Holz im Handel. Wenn ihr auf der Baustelle seid, schaut nach der Feuchte des Holzes.

Dämmstärke bei Flachdächern

Wie dick die Dämmung bei Flachdächern in Holzbauweise sein kann, hängt vom Objekt ab. Also sollte man sich das berechnen lassen, das empfiehlt Robert im Podcat ab Minute 36. Er ergänzt: „Wenn ich die Hälfte oben drüber mache und die andere Hälfte unten drin, bin ich in den meisten Fällen auf der sicheren Seite.“ Die Norm DIN 4108-3 klimabedingter Feuchteschutz schreibt vor, dass solche Fälle hygrothermisch berechnet werden müssen.

In eigener Sache: Podcastfolgen ab jetzt „jeden 1. des Monats“ satt jeden 1. Donnerstag im Monat

Ab jetzt lautet die Devise: Jeden 1. Tag im Monat eine neue Podcastfolge von Luftdichtheit-geprüft. Wir freuen uns, dass wir inzwischen eine kleine Community von regelmäßigen Hörerinnen und Hörern haben. Wir freuen uns auch auf deine Kommentare und Fragen. Wenn du Lust hast, empfehle Luftdichtheit-geprüft.de weiter, damit künftig noch besser und ohne Fehler gebaut wird.

Shownotes

Unser Podcast-Gast Robert Borsch-Laaks

Zeitschrift: https://holzbau-dnq.de/home.html
Webseite: https://holzbauphysik.de/ueber-uns/robert-borsch-laaks.php
Kontakt: RBL@holzbauphysik.de

Die Software WUFI® https://wufi.de/de/software/was-ist-wufi

Folgen zur Luftdichtheitsnorm:

Perfektes Material für die Luftdichtung: Das sagt die Luftdichtheitsnorm DIN 4108-7 | #19 Podcast
Luftdichtheitsnorm DIN 4108-7: Praktische Hinweise, die die Planung vereinfachen

Fachartikel:

Typische Schwachstellen in der Luftdichtungsebene verschiedener Bauweisen

Das Kompendium zur Luftdichtheit – Jetzt neu: Luftdichtheit von Gebäuden. Ratgeber für die Praxis von Holger Merkel | bionic3 Luftdichtheit geprüft

Wer dieses Buch liest, weiß wie Schäden an Gebäuden rechtzeitig vermieden werden.

Hier steht alles Wichtige zur Luftdichtheit von Gebäuden. Neben dem dichten und kompakten Fachwissen sind zahlreiche aktuelle Baustellenbilder und Beispiele aufgeführt, die gute und negative Beispiele zeigen, wie Luftdichtheit geplant und ausgeführt wird.

Das Kompendium besticht durch tiefgründiges Fachwissen, viele Praxisbeispiele und Klartext zur Luftdichtheit und Qualitätskontrolle auf der Baustelle und kann über Baufachmedien.de bestellt werden.

Autor: Holger Merkel, Geschäftsführer bionic3 GmbH, Autor und Podcastgastgeber von Luftdichtheit-geprüft

Info

ISBN 978-3-481-04294-3
Erscheinungsjahr: 2022
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller
Buch
200 Seiten
Format: 17,0 x 24,0 cm
Artikelnummer: 110-3004294

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Holger Merkel
Autor: Luftdichtheit von Gebäuden; Blower-Door-Messdienstleister, Luftdichtheitsberater und Geschäftsführer
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Robert Borsch-Laaks
Autor, Referent, Bauphysiker, Koryphäe

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