Ein Blower-Door-Test in der Wohnung ist ein oft unterschätztes Diagnosewerkzeug: Die Leckagesuche macht Luftundichtheiten sichtbar und hilft, Ursachen für Geruchs- oder Schallübertragung gezielt einzugrenzen. Auch Zugerscheinungen lassen sich damit konkret lokalisieren.
In diesem Artikel und in der Podcastfolge zeigen wir, wann eine Einzelmessung sinnvoll ist und warum der Gesamtwert eines Gebäudes wenig darüber aussagt, ob es in einer einzelnen Wohnung zugig oder unbehaglich ist.
Bewertung vs. Diagnose: Blower-Door-Test nach Norm oder Leckagesuche?
Bei der Luftdichtheit und Blower-Door-Test sollte unterschieden werden:
- Energetische Bewertung
→ bezieht sich immer auf die gesamte Gebäudehülle. Wird meist gefordert, wenn es um Grenzwerte und Fördermittel geht. - Ursachenanalyse
→ kann gezielt in einzelnen Wohnungen erfolgen
Das wird in der Praxis häufig vermischt und führt zu falschen Erwartungen an die Messung.
Wann ist ein Blower-Door-Test in der Wohnung sinnvoll?
Eine Messung auf Wohnungsebene ist dann sinnvoll, wenn gezielte Ursachenforschung notwendig ist:
- Geruchsübertragung zwischen Wohnungen
- Schallübertragung / Luftströmungen
- Lokale Undichtheiten (z. B. an Schächten, Durchdringungen)
- Zugerscheinungen an Steckdosen, Türen oder Bauteilanschlüssen
In diesen Fällen dient die Messung nicht dem Nachweis, sondern der Analyse.
Wann bringt ein Blower-Door-Test in der Wohnung nichts?
Für energetische Bewertungen ist eine Einzelmessung nicht aussagekräftig.
Grund:
- Das GEG bezieht sich auf die luftdichte Hülle des gesamten Gebäudes
- Normgrundlage: DIN EN ISO 9972
- Messergebnisse einzelner Wohnungen können durch Überströmungen verfälscht werden
Ein guter Zielwert bei einem Blower-Door-Test ist nicht mit guter Bauqualität gleichzusetzen
Das häufigste Missverständnis: Der nL50– oder qE50-Wert wird als Beleg für eine „garantierte“ Luftdichtheit interpretiert. Manche setzen den nL50– oder qE50-Wert mit „Dichtheit im Alltag“ gleich.
Tatsächlich beschreiben diese Kennwerte nur das Luftwechselverhalten unter definierten Prüfbedingungen. Sie sind kein Nachweis für Komfort, Zugfreiheit oder Geruchsdichtkeit im Alltag. Ein Gebäude kann normgerecht bestehen und trotzdem lokal spürbare Undichtheiten aufweisen.
Viele wissen nicht, dass interne Trennwände zwischen einzelnen Nutzeinheiten bei der Bewertung keine Rolle spielen. Das ist vor allem bei Mehrfamilienhäuser oder Gewerbeeinheiten später spürbar oder bemerkbar. Maßgeblich ist immer das Innenvolumen des gesamten Gebäudes, beziehungsweise bei größeren Gebäuden die Hüllfläche.
Somit kann ein Blower-Door-Test für das Gebäude mit einem guten bzw. ausreichendem Ergebnis erfolgen und trotzdem können einzelne Wohnungen Leckagen haben, die zu Schäden oder Unbehaglichkeit führen.
Deswegen können bei „normalen“ Blower-Door-Tests Leckagen in einzelnen Wohnungen übersehen werden:
- Die Wohnung ist nur ein Teil eines verbundenen Systems
- Luft strömt über Nachbarwohnungen, Schächte oder Decken
- Leckagen liegen außerhalb der Wohnung (z. B. Dach, Keller)
Für den Nachweis des GEG zählt ausschließlich die Messung des Gesamtgebäudes.
Dachgeschoss als Schwachstelle von Gebäuden
Undichtheiten im Dachgeschoss sind häufig:
- Fehlstellen in der Luftdichtungsebene
- Undichte Anschlüsse im Spitzboden
- Durchdringungen ohne saubere Ausführung
Diese Leckagen beeinflussen auch das gesamte Gebäude. Aber in der betroffenen Wohnung spüren die Nutzerinnen und Nutzer meist die Auswirkungen. Hier kann eine Einzelmessung der Wohnungen die Ursachen aufspüren.
Ein Blower-Door-Test in der Wohnung ist ein wirkungsvolles Werkzeug zur gezielten Ursachenanalyse – für energetische Bewertungen jedoch nicht geeignet. Entscheidend ist immer die Zielsetzung: Geht es um den Nachweis, zählt das gesamte Gebäude. Geht es um konkrete Probleme wie Zugluft, Gerüche oder Schall, kann die Einzelmessung wertvolle Erkenntnisse liefern.
Wer beides sauber trennt, vermeidet Fehlinterpretationen und nutzt die Messung dort, wo sie tatsächlich Mehrwert schafft.
Podcastfolge 62 zu „Leckagesuche und Blower-Door-Tests von Wohnungen“
In der Podcastfolge 62 sprechen Heide und Holger Merkel darüber, warum Eigentümer:innen und Mieter:innen überhaupt eine Leckagesuche oder einen Blower-Door-Test in der Wohnung anfragen.
Außerdem zeigen sie, wie du typische Fehlannahmen vermeidest und von Anfang an die richtige Zielsetzung festlegst. Wie immer mit vielen Beispielen aus der Praxis also hör oder schau rein.
Apple Podcast
https://podcasts.apple.com/us/podcast/luftdichtheit-gepr%C3%BCft-klartext-zu-luftdichtung-und/id1515799412
Spotify
https://open.spotify.com/show/4LB79vuPI4J1xfULwE4OwQ
Youtube:
https://www.youtube.com/c/Luftdichtheitgepr%C3%BCft
FAQ: Die typischen Fragen zu Blower-Door-Tests und Messungen von Miet- und Eigentumswohhnungen
Gilt der nL50– oder qE50-Wert auch für einzelne Wohnungen?
Nein. Der nL50– oder qE50-Wert bezieht sich immer auf das gesamte Gebäude.
Wo wird das Blower-Door-Gerät korrekt eingebaut?
In der Regel in der Haustür oder in einem zentralen Zugang zur beheizten Gebäudehülle. Der Einbau in der Wohnungseingangstür ist für energetische Bewertungen nicht geeignet.
Warum entstehen verfälschte Ergebnisse bei Einzelmessungen?
Weil Luft über Schächte, Installationen oder angrenzende Wohnungen strömen kann. Diese Überströmungen lassen sich nicht eindeutig zuordnen.
Kann man Undichtheiten in der Wohnung trotzdem finden?
Ja. Mit einer gezielten Leckagesuche lassen sich lokale Schwachstellen identifizieren, auch ohne normgerechten Gesamtgebäudenachweis.
Was ist der Unterschied zwischen Blower-Door-Test und Leckagesuche?
Der Blower-Door-Test liefert einen Messwert (nL50– oder qE50-Wert).
Die Leckagesuche dient dazu, konkrete Undichtheiten sichtbar zu machen und zu lokalisieren
Warum sind Dachgeschosswohnungen häufiger betroffen?
Weil die luftdichte Ebene im Dach konstruktiv komplexer ist und größere Flächen umfasst als in den Regelgeschossen.
Ist eine Messung bei Beschwerden von Mietern sinnvoll?
Ja, aber nur zur Ursachenanalyse. Für rechtliche oder energetische Bewertungen ist eine Einzelmessung nicht ausreichend.
Welche Rolle spielt das GEG bei der Messung?
Das GEG fordert den Nachweis der Luftdichtheit für das gesamte Gebäude, nicht für einzelne Wohnungen.
Wann sollte eine Messung unbedingt am Gesamtgebäude erfolgen?
Immer dann, wenn ein energetischer Nachweis erforderlich ist oder Förderbedingungen eingehalten werden müssen. Es kann auch kombiniert werden: Blower-Door-Test mit erweiterter Leckagesuche. Der Blower-Door-Test nach Norm enthält eine Leckagesuche, die ist jedoch nicht sehr intensiv. Darüber sprechen wir in mehreren Podcastfolgen, z.B: hier:
Leckagesuche vs. Blower-Door-Test: Wenn Norm-Tests potenzielle Schäden übersehen

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Fachbuch: Luftdichtheit von Gebäuden
Verarbeitungstipps und typische Fehler sind in ausführlicherer Form auch in Holgers neuem Buch nachzulesen und anzuschauen. Warum es das Buch gibt und was das Besondere daran ist, hört und seht ihr in unserer Spezial-Podcastfolge: Neu: Fachbuch Luftdichtheit von Gebäuden. Ratgeber für die Praxis
Links und Hinweise (Shownotes)
1. Leckagesuche vs. Blower-Door-Test: Wenn Norm-Tests potenzielle Schäden übersehen
2. Dachgeschoss sanieren: 7 typische Fehler bei der Luftdichtheit – mit kostenlosem Fachartikel
3. Gerüche und Luftdichtheit: Wie Leckagen Probleme im Gebäude verursachen
4. Blower-Door-Tests bei Leckagen und Sanierungen
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