Blower-Door-Messtechnik wird in der Praxis oft falsch eingesetzt. Häufig wird ein klassischer Blower-Door-Test angefragt, obwohl eigentlich eine Leckagesuche oder eine genauere Analyse notwendig wäre.
Genau darum geht es in diesem Artikel und der Podcastfolge 63: Wir ordnen unterschiedlichen Methoden ein und zeigen, wann welches Verfahren eingesetzt wird.
Blower-Door-Messtechnik richtig einordnen
Ein Blower-Door-Test dient dazu, die Luftdichtheit eines Gebäudes zu bewerten.
Er liefert einen Kennwert, der eine Einordnung der Gebäudequalität ermöglicht.
Eine Leckagesuche verfolgt ein anderes Ziel. Sie dient dazu, konkrete Undichtheiten zu lokalisieren und Strömungswege sichtbar zu machen. Beide Verfahren ergänzen sich, haben aber unterschiedliche Aufgaben.
Unterschied zwischen Test und Leckagesuche
Der Blower-Door-Test beantwortet die Frage, ob ein Gebäude eine bestimmte Anforderung erfüllt. Die Leckagesuche zeigt, wo Luft ein- oder austritt und welche Bauteile betroffen sind.
Eine Leckagesuche ist insbesondere dann sinnvoll, wenn konkrete Auffälligkeiten vorliegen. Das kann zum Beispiel der Fall sein bei:
- spürbarer Zugluft
- Geruchsübertragung
- Feuchte- oder Schimmelschäden
Auch während der Bauphase kann sie eingesetzt werden, um die Ausführung zu überprüfen und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.
Eingehende Dichtheitsprüfung bei komplexen Fragestellungen
In bestimmten Situationen reicht eine einfache Leckagesuche nicht aus. Das betrifft vor allem Gebäude, die bereits fertiggestellt und genutzt werden, bei denen die Ursache für Probleme nicht eindeutig ist.
Dann kann eine eingehende Dichtheitsprüfung sinnvoll sein. Hier werden Zusammenhänge analysiert und Strömungswege genauer untersucht.
Hilfsmittel: Thermografie, Nebel und mehr
Für die Untersuchung stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung, die je nach Fragestellung gezielt eingesetzt werden.
Die Thermografie macht Temperaturunterschiede sichtbar und kann Hinweise auf Undichtheiten liefern, wenn die Rahmenbedingungen passen. Der Einsatz von Nebel ermöglicht es, Luftströmungen sichtbar zu machen und Strömungswege nachzuvollziehen. So wird erkennbar, wo Luft ein- oder austritt und wie sie sich im Gebäude bewegt.
Ein eher unspektakuläres, aber sehr wichtiges Hilfsmittel ist die Prüfung mit der Hand. Luftbewegungen lassen sich damit oft direkt und zuverlässig wahrnehmen. In vielen Fällen ist sie schneller und aussagekräftiger als aufwendige Technik.
Für die Dokumentation kann zusätzlich ein Anemometer eingesetzt werden, das die Luftgeschwindigkeit misst und Beobachtungen ergänzt.
Welche Methode verwendet wird, hängt von der konkreten Fragestellung, dem Zustand des Gebäudes und den Rahmenbedingungen vor Ort ab. Häufig werden mehrere Verfahren kombiniert, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.
In der Praxis zeigt sich, dass die Kombination der Verfahren den größten Erkenntnisgewinn bringt. Erste Hinweise ergeben sich häufig bereits durch einfache Prüfungen. Darauf aufbauend können gezielt weiterführende Methoden eingesetzt werden, um Auffälligkeiten zu verifizieren und genauer einzugrenzen. So entsteht Schritt für Schritt ein belastbares Gesamtbild, das sowohl die Lokalisierung von Leckagen als auch das Verständnis der zugrunde liegenden Zusammenhänge ermöglicht.
Grenzen der Verfahren
Jede Methode hat ihre Grenzen. Nicht jede Leckage ist unter allen Bedingungen sichtbar oder messbar. Witterungseinflüsse, bauliche Gegebenheiten oder bereits abgeschlossene Ausbauten können die Aussagekraft einzelner Verfahren einschränken.
In solchen Fällen ist es wichtig, die Ergebnisse richtig einzuordnen und gegebenenfalls weitere Schritte abzuleiten. Dazu gehört auch das Arbeiten mit Ausschlussverfahren, um mögliche Ursachen systematisch einzugrenzen.
Die Ergebnisse einer Untersuchung liefern Hinweise, die im Kontext des Gebäudes bewertet werden müssen. Ein einzelner Messwert oder eine Beobachtung allein reicht in vielen Fällen nicht aus. Entscheidend ist die Gesamtschau aller Erkenntnisse.
Dabei spielen sowohl die bauliche Situation als auch die Nutzung des Gebäudes eine Rolle. Erst durch diese Einordnung lassen sich sinnvolle Maßnahmen ableiten.
Zur Podcastfolge 63
In der Podcastfolge diskutieren Heide Haruyo Merkel und Holger Merkel die dargestellten Inhalte anhand konkreter Praxisbeispiele. Sie ordnen typische Fragestellungen ein, zeigen Unterschiede zwischen den Verfahren auf und erläutern, wie in der Praxis entschieden wird, welche Methode sinnvoll ist.
Dabei wird deutlich, dass die Wahl des Verfahrens immer vom Ziel der Untersuchung abhängt und häufig eine kurze fachliche Abstimmung im Vorfeld notwendig ist. Die Folge gibt damit eine strukturierte Orientierung für den Einsatz von Blower-Door-Messtechnik im Alltag.
Nach dieser Podcastfolge weißt du:
- welche Methoden unter Blower-Door-Messtechnik zusammengefasst werden
- worin der Unterschied zwischen Blower-Door-Test und Leckagesuche liegt
- wann eine einfache Untersuchung ausreicht und wann eine weitergehende Analyse sinnvoll ist
- welche Verfahren in der Praxis eingesetzt werden und wie sie sich ergänzen
- warum die Zielsetzung entscheidend für die Wahl der Methode ist
- wie typische Fragestellungen im Vorfeld richtig eingeordnet werden können

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Verarbeitungstipps und typische Fehler sind in ausführlicherer Form auch in Holgers Buch nachzulesen und anzuschauen. Warum es das Buch gibt und was das Besondere daran ist, hört und seht ihr in unserer Spezial-Podcastfolge: Fachbuch Luftdichtheit von Gebäuden. Ratgeber für die Praxis
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