Neu überarbeitet: Luftdichtheitsnorm DIN 4108-7 | Diese Änderungen sollten Energieberater, Planer und Messdienstleister kennen

Neue Podcastfolge „Luftdichtheit geprüft“ zur überarbeiteten DIN 4108-7. Oliver Solcher vom FLiB und Holger Merkel sprechen über Luftdichtheitskonzepte, Blower-Door-Tests und aktuelle Anforderungen an die Luftdichtheit von Gebäuden.

Die aktuelle Ausgabe der DIN 4108-7 wurde nach längerer Überarbeitung im April 2026 veröffentlicht. Große Überraschungen gibt es nicht. Die grundlegenden Regeln haben sich in der Praxis bewährt. Neu ist vor allem, dass die Norm stärker betont, was Fachleute seit Jahren fordern: Luftdichtheit braucht ein Konzept. Die wichtigste Neuerung bei der Luftdichtheitsnorm ist die stärkere Verankerung des Luftdichtheitskonzepts. Außerdem wurde die Norm an das Gebäudeenergiegesetz (GEG) angepasst, neue Materialien wie sprühbare Luftdichtstoffe wurden aufgenommen und Anforderungen an Planung, Ausführung sowie Qualitätssicherung präzisiert.

Für Planer, Energieberater, Bauleiter und Handwerksbetriebe bedeutet das: Luftdichtheit muss bereits in der Planung berücksichtigt werden. Die Norm macht deutlicher als bisher, dass Luftdichtheit nicht erst beim Blower-Door-Test überprüft wird, sondern über den gesamten Bauprozess hinweg geplant und kontrolliert werden muss.

In Podcastfolge 66 von „Luftdichtheit geprüft“ spricht Holger Merkel mit Oliver Solcher, Geschäftsführer des Fachverbands Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB) und Mitglied im Normungsausschuss, über die Hintergründe der Überarbeitung und die praktischen Auswirkungen auf Baustellen.

Die wichtigsten Änderungen der DIN 4108-7 auf einen Blick

  • Luftdichtheitskonzept erstmals deutlich stärker verankert
  • Anpassung an die aktuellen Anforderungen des GEG
  • Aufnahme von Flüssigabdichtungen und sprühbaren Luftdichtstoffen
  • Präzisierungen bei Multifunktionsdichtbändern und Anschlüssen
  • Konkretisierung von Sichtprüfung und Qualitätssicherung
  • Ergänzungen zur Materialdurchlässigkeit von Bauteilen
  • stärkere Berücksichtigung typischer Problemstellen aus der Praxis

Viele der Neuerungen basieren auf Erfahrungen aus tausenden Blower-Door-Messungen und Leckagesuchen. Sie sollen helfen, typische Fehler früher zu erkennen und dauerhaft luftdichte Gebäude zu planen und auszuführen.

Luftdichtheit wird geplant, nicht gemessen

Die wichtigste Neuerung der überarbeiteten DIN 4108-7 ist das Luftdichtheitskonzept. Damit greift die Norm ein Thema auf, das Fachleute seit Jahren fordern: Luftdichtheit muss geplant werden.

In der Praxis wird häufig erst über Luftdichtheit gesprochen, wenn der Blower-Door-Test ansteht oder bereits Probleme aufgetreten sind. Die neue Norm setzt deutlich früher an. Bereits in der Planungsphase soll festgelegt werden, wo die luftdichte Ebene verläuft, welche Anschlüsse besonders kritisch sind und wie die Qualität auf der Baustelle überprüft werden soll.

Dabei geht es nicht nur um Neubauten. Gerade bei Sanierungen hilft ein Luftdichtheitskonzept, typische Fehler zu vermeiden. Denn im Bestand ist oft nicht sofort erkennbar, welche Bauteile künftig die luftdichte Ebene bilden sollen.

Warum die DIN 4108-7 eine Norm für die Praxis ist

Die DIN 4108-7 gehört zu den wenigen Normen, die sich nicht nur an Planer richten. Sie enthält zahlreiche Hinweise für die praktische Ausführung auf der Baustelle.

Viele Details, die heute selbstverständlich erscheinen, wurden ursprünglich durch Blower-Door-Messungen und Leckagesuchen sichtbar. Dazu gehören beispielsweise die luftdichte Anbindung von Innenwänden im Dachgeschoss, die richtige Ausführung von Fensteranschlüssen oder die Anforderungen an Klebebänder und Folienanschlüsse.

Genau deshalb wird die Norm von vielen Energieberatern, Bauleitern und Messdienstleistern als wichtiges Nachschlagewerk angesehen. Sie liefert Antworten auf typische Fragen, die in der Praxis immer wieder auftreten.

Qualitätssicherung statt Fehlersuche am Ende

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Norm ist die Qualitätssicherung.

Fehler sollten möglichst erkannt werden, solange die luftdichte Ebene noch sichtbar ist. Deshalb betont die DIN 4108-7 die Bedeutung von Sichtprüfungen und baubegleitenden Kontrollen. Eine fehlende Dehnschlaufe, ein nicht ausreichend befestigter Anschluss oder eine beschädigte Folie lassen sich in diesem Stadium meist schnell korrigieren.

Sind die Bauteile dagegen bereits verkleidet, wird die Fehlersuche deutlich aufwendiger. Der Blower-Door-Test zeigt dann zwar, dass ein Problem vorhanden ist, die Ursache lässt sich aber oft nur mit erheblichem Aufwand finden.

Neue Materialien in der Norm

Erstmals berücksichtigt die DIN 4108-7 auch sprühbare beziehungsweise flüssige Luftdichtstoffe.

Diese Produkte werden insbesondere bei Sanierungen eingesetzt und können bei schwierigen Anschlüssen Vorteile bieten. Die Norm macht jedoch deutlich, dass auch moderne Materialien keine mangelhafte Vorbereitung ersetzen können. Der Untergrund muss tragfähig, sauber und für das jeweilige Produkt geeignet sein.

Ebenfalls präzisiert wurden die Anforderungen an Multifunktionsdichtbänder. Entscheidend ist dabei nicht nur das Produkt selbst, sondern auch der Einbau entsprechend den Vorgaben des Herstellers.

Montageschaum bleibt ein Streitpunkt

Keine Überraschung gibt es beim Thema Montageschaum. Die Norm hält weiterhin daran fest, dass übliche Montageschäume nicht als dauerhafte Luftdichtheitsebene angesehen werden können.

Zwar existieren inzwischen spezielle Produkte mit verbesserten Eigenschaften. Für die meisten Anwendungen gelten jedoch weiterhin geprüfte Luftdichtungssysteme, Klebebänder und geeignete Anschlusslösungen als Stand der Technik.

Was sich bei den Grenzwerten geändert hat

Neben den konstruktiven Anforderungen wurden auch die Bezüge zu den aktuellen Regelwerken aktualisiert. Die Norm wurde an das Gebäudeenergiegesetz angepasst und berücksichtigt die heute geltenden Anforderungen an nL₅₀- und qE₅₀-Werte.

Wichtig für Energieberater und Messdienstleister: Nicht immer entspricht der gesetzliche Grenzwert dem Wert, der in der energetischen Bilanz angesetzt wurde. Deshalb sollte bereits vor der Messung geklärt werden, welcher Zielwert tatsächlich erreicht werden muss.

Die eigentliche Botschaft der „neuen“ Luftdichtheitsnorm

Die Überarbeitung der DIN 4108-7 bringt keine grundlegende Neuausrichtung. Viele bewährte Regeln bleiben bestehen. Gleichzeitig macht die neue Ausgabe deutlicher, was Fachleute seit Jahren predigen: Luftdichtheit entsteht nicht zufällig.

Wer dauerhaft luftdichte Gebäude bauen will, braucht ein Konzept, klare Verantwortlichkeiten, geeignete Materialien und eine konsequente Qualitätssicherung. Der Blower-Door-Test bleibt dabei ein wichtiges Werkzeug. Er entscheidet jedoch nicht über die Qualität eines Gebäudes, sondern macht sie sichtbar.

Genau darin liegt die wichtigste Änderung der neuen DIN 4108-7: Sie rückt Planung und Qualitätssicherung stärker in den Mittelpunkt und erinnert daran, dass gute Luftdichtheit lange vor dem Messtermin beginnt.

Das ganze Gespräch hören oder anschauen: Viele Hintergründe passen nicht in einen Blogartikel

Dieser Artikel fasst die wichtigsten Änderungen der DIN 4108-7 zusammen. Viele spannende Hintergründe, Diskussionen und Praxisbeispiele aus dem Gespräch zwischen Holger Merkel und Oliver Solcher lassen sich jedoch nur verkürzt wiedergeben.

Im Podcast erklärt Oliver Solcher nicht nur, welche Änderungen in die neue Norm aufgenommen wurden. Er berichtet auch aus der Arbeit im Normungsausschuss und gibt Einblicke, warum manche Themen über Jahre diskutiert werden, bevor sie schließlich Eingang in eine Norm finden. Dabei wird deutlich, dass viele Regelungen nicht am Schreibtisch entstanden sind, sondern auf Erfahrungen aus der Praxis, aus Schadensfällen und aus tausenden Luftdichtheitsmessungen beruhen.

Besonders interessant ist die Diskussion über das neue Luftdichtheitskonzept. Oliver Solcher erläutert, warum eine rote Linie im Grundriss allein noch kein Konzept ist und weshalb Luftdichtheit bereits in einer sehr frühen Planungsphase berücksichtigt werden muss. Außerdem sprechen die beiden darüber, welche Rolle Sichtprüfungen, baubegleitende Qualitätssicherung und Blower-Door-Messungen tatsächlich spielen und warum viele Probleme bereits lange vor dem Messtermin entstehen.

Auch Themen, die in Fachkreisen immer wieder kontrovers diskutiert werden, kommen zur Sprache: die Eignung von OSB-Platten als Luftdichtheitsebene, die Grenzen von Montageschaum, der richtige Einsatz von Multifunktionsdichtbändern, neue Flüssigabdichtungen sowie die Frage, warum interne Leckagen zwischen Wohnungen künftig stärker in den Fokus rücken könnten.

Wer regelmäßig mit Luftdichtheit, Blower-Door-Tests, Energieberatung, Planung oder Bauleitung zu tun hat, erhält in dieser Folge viele zusätzliche Informationen, Einordnungen und Praxisbeispiele, die über den reinen Normtext hinausgehen. Gerade die Kombination aus Normungswissen von Oliver Solcher und den Erfahrungen aus der täglichen Messpraxis von Holger Merkel macht die Folge besonders wertvoll.

Unser Tipp: Hört euch die komplette Podcastfolge an. Ihr erfahrt nicht nur, was sich in der DIN 4108-7 geändert hat, sondern auch, warum diese Änderungen für die tägliche Praxis auf der Baustelle relevant sind.
Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/us/podcast/luftdichtheit-gepr%C3%BCft-klartext-zu-luftdichtung-und/id1515799412
Spotify: https://open.spotify.com/show/4LB79vuPI4J1xfULwE4OwQ

Diese Podcastfolge 66 als Video auf Youtube

🎥 Möchtest du sehen, wie wir diese Folge aufgenommen und diskutiert haben? Hier geht’s zur Videopodcastfolge 66
Auf unserem YouTube-Kanal zeigen wir zudem dir echte Baustellensituationen, Tipps zur Leckagesuche, Erklärvideos zu Bezugsgrößen, GEG-Nachweis und vieles mehr.
👉 Direkt reinschauen: https://www.youtube.com/c/Luftdichtheitgepr%C3%BCft
📩 Du hast Fragen oder brauchst Unterstützung? Schreib uns an hallo@bionic3.de

Fachbuch: Luftdichtheit von Gebäuden

Verarbeitungstipps und typische Fehler sind in ausführlicherer Form auch in Holgers Buch nachzulesen und anzuschauen. Warum es das Buch gibt und was das Besondere daran ist, hört und seht ihr in unserer Spezial-Podcastfolge: Fachbuch Luftdichtheit von Gebäuden. Ratgeber für die Praxis

Fragen? Fragen! hallo@bionic3.de
Wenn du Fragen zu Luftdichtheit und Blower-Door-Tests hast, melde dich gern.
hallo@bionic3.de ☎ 07272-927385

Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e.V. Flib : https://flib.de/

Die häufigsten Fragen und wichtigten Antworten zur neuen Luftdichtheitsnorm DIN 4108-7 fassen wir auf unserer Websesite bionic3.de zusammen.

Weitere Folge mit Oliver Solcher vom FliB:
Lüftungsanlagen bei Blower-Door-Tests: Was darf abgeklebt werden und was nicht?
Blog: https://xn--luftdichtheit-geprft-6ec.de/podcast/lueftungsanlagen-bei-blower-door-tests/
Spotify: https://open.spotify.com/episode/2FKHgUwbNqh4mQlrkDEt9J
Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/l%C3%BCftungsanlagen-bei-blower-door-tests-was-darf-abgeklebt/id1515799412?i=1000771153524

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